Kanada 2019

Eine Wanderung um das Postkartenmotiv Kanadas: Lake Louise

Wie schon in meinem vorherigen Block erwähnt, endete mein Banff Wochenende mit einer Wanderung um den wohl berühmtesten See Kanadas. Melissa (meine Vermieterin) holte mich morgens aus dem Hostel in Banff ab und gemeinsam fuhren wir Richtung Lake Louise. Auch dort bin ich vor 4 Jahren mit meiner Familie gewesen und die Erinnerungen blitzen in regelmäßigen Abständen auf – total komisch das Ganze noch einmal ohne meine Familie neu zu entdecken.

Lake Louise ist DAS Ziel für Touristen hier in Alberta und, wie könnte es anders sein, besonders für die Asiaten. Gestört hat mich der Andrang an Menschen dieses Mal aber überhaupt nicht. Ich war zu sehr von der Schönheit des Sees beeindruckt. Besonders die Farbe des Wassers in Kombination mit den Bergen/ Gletschern im Hintergrund lässt diese Kulisse zu etwas unbeschreiblich Atemberaubendem werden. Seht selbst (wobei Photos den See nur halb so schön wiedergeben, wie er eigentlich ist.

Nachdem wir einige Erinnerungsbilder gemacht haben, starteten wir unsere Wanderung. Der erste Wegweiser behauptete, dass der Hinweg so ungefähr 5km umfasst ( das man solchen Schildern hier keinen Glauben schenken darf, habe ich hinterher festgestellt, als wir mit Hin- und Rückweg dann eher 17 km anstatt 10 km gewandert sind). Angefangen hat der Wanderweg sehr Flach um den See herum. Normalerweise sieht man Lake Louise immer aus einer Perspektive aber ich muss zugeben, dass der See von der anderen Seite aus auch etwas ganz Besonderes ist:

Irgendwann wurde aus dem Spaziergang aber dann langsam wirklich eine Wanderung. Am anspruchsvollsten dabei war aber gar nicht unbedingt der Anstieg, sondern vielmehr die vielen kleinen losen Steine, die an dem Tag mehrmals dafür sorgten, dass ich ziemlich unglücklich umgeknickt bin. Zum Glück war der Schmerz aber nach kürzester Zeit weg oder zumindest deutlich besser, sodass wir unseren Weg unbeirrt fortsetzten konnten.

Obwohl ich nach 2 Stunden schon ahnen konnte, dass der Weg wohl deutlich länger als 5km ist, genoss ich die Zeit total und die Aussicht war einfach nur schön. Von oben sieht man Lake Louise tatsächlich sehr selten und der Wanderweg war auf Grund seiner Länge und den 600 Höhenmetern auch gar nicht so stark gefüllt, was nach dem Gewusel unten am See doch sehr wohltuend war.

Ich poste jetzt einfach mal weitere Bilder vom Hinweg:

Nach einer kurzen Mittagspause am offiziellen Ende des Weges, haben wir uns dann an die restlichen 2 km gewagt, die direkt bis zum Gletscher führten. Das Problem: Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, dass Melissa Höhenangst hat. Da sie aber partout nicht aufgeben wollte, bin ich dann mit ihr an der Hand weiter den kleinen Abhang entlang geklettert. Ein bisschen unwohl war mir dabei auch, denn der Wind wurde immer stärker je höher wir kamen. Geschafft haben wir es aber trotzdem und ich muss zugeben, am Gletscher zu stehen, den man auf all den Postkarten unten vom See aus bewundern kann, ist schon ein ziemlich tolles Gefühl gewesen.

Das Problem: Jetzt mussten wir aber auch den ganzen Berg wieder runter marschieren. Ich muss zugeben, ich hätte auch wohl darauf verzichten können, denn die 8 km bis zur Spitze waren anstrengender als Gedacht und die Sonne machte das ganze nicht nur einfacher. Aber ich hatte ja keine Wahl also machten wir uns nach knapp 3 Stunden Wanderung wieder auf den Rückweg. Ein Erlebnis auf dem Rückweg war auf jeden Fall die Toilette. Ein wundervolles Plumpsklo mitten irgendwo im Nirgendwo…

Der restliche Weg zurück dauerte eine gefühlte Ewigkeit, auch weil uns langsam jedes Körperteil weh tat. Wir waren also beide froh, als wir endlich wieder auf einem ebenen Weg und kurz vorm Parkplatz angelangt waren. Während meine Vermieterin noch kurz auf der Toilette war, wartete ich am Fuß des Sees. Plötzlich wurde ich auf Deutsch angesprochen und es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass ich so eben von Kunden aus Airdrie erkannt wurde. Nur das ich mir natürlich nicht jedes Gesicht merken kann und echt kurz etwas verwirrt gewirkt haben muss.

Am Auto angekommen beschlossen Melissa und ich, dass wir uns trotz Erschöpfung noch den Moraine Lake anschauen wollen. Wenn man einmal in der Gegend ist, muss man das jetzt auch ausnutzen. Am See angekommen fiel jeder Schritt aber dann doch ordentlich schwer. Daher sind wir nur kurz für ein paar Fotos zum Ufer gelaufen und dann relativ schnell wieder zum Auto zurück geschlichen.

Erschöpft machten wir uns dann an die Rückfahrt und waren beide glücklich über den erfolgreichen Tag. Das das Abenteuer noch nicht vorbei sein sollte, konnte in dem Moment noch keiner von uns ahnen. Und ich hätte auf das was dann noch folgte auch echt verzichten können…

Nach circa der Hälfte unserer etwa zwei Stündigen Heimfahrt fing meine Vermieterin plötzlich an zu fluchen und zog mit einem Ruck von der linken Spur auf den rechten Standstreifen. Kaum dort angekommen, blieb das Auto auch endgültig stehen. Nachdem ich sie etwas beruhigen konnte, habe ich dann endlich erfahren, dass alle Alarmlampen des Autos angesprungen waren. Wie es das Unglück wollte, war Melissas Handyakku so gut wie leer, deshalb tätigten wir alle Anrufe über mein Handy. Erst riefen wir ihren Freund an, dann versuchte ich dem Pannendienst zu erklären, wo wir gerade sind. Das ist nur nicht ganz so einfach, denn wir zwei waren Mitten auf dem Trans-Kanada-Highway, welcher verdammt lang ist. Um uns herum war an Ortschaften weniger als gar nichts. Zudem waren meine Erklärungen, was das eigentliche Problem des Autos anging, auch nur sehr dürftig, schließlich hatte ich ja selber keine Ahnung was genau passiert war, außer, dass das Auto eben jetzt nicht mehr fuhr.

Dann habe ich erst einmal Lukas (meinen deutschen Arbeitskollegen) angerufen, weil ich wusste, dass er an dem Tag ganz in der Nähe wandern gewesen war. Durch eine Aneinanderreihung von Zufällen war er tatsächlich erst 10 Minuten vor uns und konnte umdrehen. Ich war echt erleichtert als er kam, denn das bedeutete, dass ich nicht noch weitere 2 Stunden mitten auf dem Highway auf den Pannendienst warten musste. Gemeinsam warteten wir dann noch 30 Minuten auf den Freund von Melissa, denn alleine wollte ich sie da definitiv nicht stehen lassen. Rechts neben uns schien in einer Ruine alle 5 Minuten ein neuer Drogendeal stattzufinden und die Leute waren eher weniger von unserer Anwesenheit begeistert.

Als ich an dem Abend endlich nach Hause gekommen bin, habe ich auf jegliches Abendessen verzichtet und bin totmüde ins Bett gefallen.

Der Tag war trotzdem wunderschön und ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir hier geschenkt werden.

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